Entdeckt: Stefan Wipplinger, „Hose, Fahrrad, Frau“

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Seine Szenen sind dem urbanen Alltag abgeschaut, seine Dialoge kommen leicht und humorig daher. In „Hose, Fahrrad, Frau“ gelingt es Stefan Wipplinger, seinen lapidaren Geschichten eine philosophische Dimension hinzuzufügen, die sich mit Besitz, Tausch und Teilen beschäftigen.

 

Alf, der Wohlstands-Messi, spendet gezwungenermaßen seine Hose bei der Bahnhofsmission. Sie wird dringend vom Penner benötigt – der sie jedoch nicht als Almosen, sondern nur im Tausch annehmen will. Tom erfährt mit Schrecken, dass sein frisch auf dem Flohmarkt erworbenes Fahrrad seinen Vorbesitzer nicht freiwillig verlassen hatte und das Janne einem Wohnungstausch nur zustimmt, wenn auch die Möbel – mithin das Persönliche – mit eingeschlossen sind. Wie stark definieren wir uns über unseren Besitz? Haben wir eine libidinösen Beziehung zu ihm? Hat man einen Anspruch auf (s)eine Familie und ab wann verliert man diesen? Und wo liegen die Grenzen der aktuell so populären Ökonomie des Tauschens und Teilens – womöglich erst jenseits des Uterus einer Leihmutter?

 

Stefan Wipplingers Schreibweise und Sprache sind sicherlich nicht exorbitant neu, sein erstes abendfüllendes Theaterstück bietet jedoch vielfältige innovative Ansätze für seine Inszenierung. Nicht zuletzt dies zeigte die von Jan-Christoph Gockel eingerichtete Szenische Lesung auf der Probebühne im Haus der Berliner Festspiele. Hier fungierten vier Rollschuh fahrende Mädchen als Kulissenschieberinnen, was sie mit Eleganz und Spaß am Spiel erledigten. Atmosphärisch dicht und mit spaßigen Einschüben begleitete die live entstandene Klangcollage von Anton Berman ein unterhaltsames und intelligentes Bühnenstück.

 

Stefan Wipplinger, geboren 1986 in Österreich, studierte Experimentelle Gestaltung an der Kunstuniversität Linz und Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. „Hose Fahrrad Frau“ wird seit Januar 2015 vom Verlag der Autoren vertreten.

 

Entdeckt auf dem Theatertreffen, Stückemarkt, Berlin 2015

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